
Zwei Speedwände mitten im Stadtzentrum von Hannover, zahlreiche Zuschauerinnen und Zuschauer und drei Tage Wettkampf vor einer außergewöhnlichen Kulisse: Vom 24. bis 26. Juli wurde der Opernplatz in Hannover im Rahmen der Finals zum Treffpunkt der deutschen Speedelite. Mit dabei waren auch fünf Athletinnen und Athleten aus Norddeutschland, darunter gleich vier bei ihrer ersten Deutschen Meisterschaft.
Los ging es am Freitag mit einer Premiere: Erstmals wurde bei einem Wettkampf in Deutschland ein Staffelwettbewerb im Mixed Relay ausgetragen. Hier bilden jeweils eine Athletin und ein Athlet ein Team und absolvierten nacheinander ihre Läufe. Sobald die erste Person abgeschlagen hat, bekommt die zweite Person das Startsignal und darf ihren Lauf beginnen. Die Gesamtzeit des Teams wird dann gestoppt, sobald die zweite Person abgeschlagen hat. Unter den 21 Teams bei dieser Erstauflage, waren auch zwei aus Norddeutschland: Lea Voigt und Felix Michael sowie Lotta Mehrländer und Thorben Perry Bloem.
Lea und Felix erwischten einen gelungenen Auftakt. Mit einer Gesamtzeit von 15,89 Sekunden belegten sie in der Qualifikation den siebten Platz und zogen damit direkt ins Viertelfinale ein. Dort wartete mit Sofiia Tulchynska und Nikita Levyi das zweitschnellste Team der Qualifikation. Lea und Felix konnten nicht ganz an ihre vorherigen Läufe anknüpfen und mussten sich den späteren Zweitplatzierten geschlagen geben. Mit Rang sieben gelang ihnen dennoch ein starker Einstand bei ihrer ersten Deutschen Meisterschaft.
Für Lotta war es ebenfalls der erste Start bei einer DM im Speed. Thorben hingegen war bereits einmal deutscher Vizemeister in dieser Disziplin, hatte sich in den vergangenen Jahren jedoch ausschließlich auf das Bouldern konzentriert. Für ihn war es damit der erste Speedwettkampf seit 2023. Am Ende reichte die kombinierte Zeit von 18,94 Sekunden für Platz 15 und damit aufgrund des kleineren Finalfeldes im Staffelwettbewerb nicht für den Einzug in die nächste Runde.
Am Samstag folgte der Einzelwettbewerb der Herren. Neben Thorben und Felix trat mit Lasse von Freier ein weiterer norddeutscher Athlet an, der sonst vor allem im Bouldern unterwegs ist.
Für ihn lag der letzte Speedwettkampf sogar noch länger zurück als für Thorben: Seit 2018 hatte er an keinem offiziellen Wettkampf mehr in dieser Disziplin teilgenommen. Dennoch fand er schnell wieder in die ungewohnte Disziplin und konnte nach einem Fehlstart im ersten Lauf im zweiten Versuch nach 7,64 Sekunden abschlagen. Für den eigentlichen Boulderspezialisten war der Start vor heimischem Publikum damit eine gelungene Rückkehr an die Speedwand.
Auch Thorben meldete sich nach seiner Wettkampfpause mit 6,52 Sekunden eindrucksvoll an der Speedwand zurück. Damit blieb er nur knapp über seiner offiziellen Bestzeit und erreichte in einem Feld voller Speedspezialisten den 19. Platz.
Für Felix verlief der Wettkampf leider alles andere als nach Plan. Erst drei Tage zuvor war er bei der Jugendweltmeisterschaft in Arco gestartet und hatte dort mit einer neuen persönlichen Bestleistung von 5,97 Sekunden den achten Platz erreicht. In Hannover wollte es dagegen nicht so richtig klappen: Mit einem Sturz und einer Zeit von 10,56 Sekunden blieb er im Einzelwettbewerb weit hinter seinen Möglichkeiten und musste sich am Ende mit Platz 38 zufriedengeben.
Zum Abschluss gingen am Sonntag die Damen an den Start. Nach zwei Tagen mit bestem Wetter sorgte nun immer wieder Regen für Unterbrechungen.
Lea ließ sich davon nicht aus der Ruhe bringen. Mit einer Zeit von 9,19 Sekunden zog sie als Zwölfte der Qualifikation in das Achtelfinale ein und war damit die einzige norddeutsche Starterin, die im Einzel eine Finalrunde erreichte. Dort traf sie auf Nele Thomas, die spätere deutsche Vizemeisterin. Lea musste sich ihrer Gegnerin geschlagen geben, konnte aber auch im Einzel einen überzeugenden Auftritt bei ihrer ersten Deutschen Meisterschaft zeigen.
Nach drei Wettkampftagen blieb vor allem die besondere Atmosphäre in Erinnerung: Die zentrale Lage auf dem Opernplatz, das große Publikum und die Premiere des Staffelwettbewerbs machten die Meisterschaft zu einem außergewöhnlichen Erlebnis. Der Wettkampf war damit nicht nur sportlich ein Höhepunkt, sondern auch ein starkes Zeichen für die Entwicklung und die wachsende Bedeutung des Speedkletterns.

Lasse von Freier (hinten) bei der Deutschen Meisterschaft Speed in Hannover
Foto: Xaver Quintus / DAV