Der norddeutsche Landeskader 2025
Das norddeutsche Kletterkader vereint die talentiertesten Athletinnen und Athleten aus Niedersachsen, Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein. Sie treten in den drei olympischen Disziplinen des Sportkletterns an: Bouldern, Lead und Speed. Mit insgesamt 215 Teilnahmen auf 34 nationalen und internationalen Wettkämpfen, 17 nationalen und 4 internationalen Medaillen geht eines der erfolgreichsten Jahre in der Geschichte des Landeskaders zu Ende. Doch diese Zahlen erzählen nur einen Teil der Geschichte – dahinter stehen Athletinnen und Athleten, die Erfahrungen sammeln, Rückschläge meistern und an ihren Aufgaben wachsen. Mit diesem Rückblick möchten wir einen kleinen Einblick in ein Jahr voller Training und Wettkämpfe, Premieren und Comebacks, persönlicher und sportlicher Entwicklungen geben und zeigen, was es bedeutet, Teil eines Landeskaders zu sein.
Eine Premiere
Am 1. und 2. März fiel in München mit dem ersten Deutschen Jugendcup (DJC) der Startschuss für die nationale Wettkampfsaison. Für drei Athletinnen und Athleten des norddeutschen Kaders war dieser Termin weit mehr als nur ein Jahresauftakt: Amelie Zgonc, Arsenij Taranukha und Käthe Jöhnk standen erstmals auf einer nationalen Bühne. Am Ende gingen ein 26., ein 29. und ein 36. Platz in die Ergebnisliste ein, ein gelungener Start in diese neue sportliche Etappe. Doch viel wichtiger noch war die Erfahrung, die sie dort sammeln konnten. Auch Enja Brose konnte sich einige Monate später beim DJC Lead in Darmstadt zum ersten Mal auf nationalem Niveau präsentieren und damit den ersten Schritt in den bundesweiten Wettkampfsport machen.
Die alten Neuen
Auch beim DJC selbst gab es eine Premiere. Durch eine weltweite Anpassung der Altersklassen wurde erstmals die kombinierte Kategorie U19/U21 eingeführt. Für die Jahrgänge 2005 und 2006 bedeutete das eine unerwartete Rückkehr auf die Jugendbühne – obwohl sie eigentlich schon den Schritt zu den Erwachsenen gemacht hatten. Ein Athlet aus dem Norden, der diese Gelegenheit für sein Comeback nutzte, war Tarek Robrahn. Er stieg in München auf Rang 16 ein. Einige Monate später, beim DJC Lead in Darmstadt, gelang ihm dann der Sprung zurück ins Finale der zehn Besten mit einem starken 7. Platz.
Schnell unterwegs
Auch im Speedklettern gab es in diesem Jahr eine wichtige Neuerung. Die Altersklasse der U15 startete erstmals auf der vollen 15-Meter-Wand – allerdings auf einer speziell angepassten Route. Aus norddeutscher Sicht zeigte sich schnell, dass sich das Training ausgezahlt hatte: Beim DJC in Augsburg stellten Lea Voigt und Federico de Paolis nicht nur persönliche Bestzeiten auf, sondern kletterten jeweils auch die zweitschnellste Zeit des gesamten Wettkampfs. In der U17 gelang Felix Michael beim letzten DJC der Saison ein ähnliches Ausrufezeichen. Mit einer Zeit von 7,31 Sekunden unterbot er gleichzeitig seine Bestmarke und erfüllte erstmals die Nominierungskriterien für das Nationalkader.
Knappe Sache
Im Wettkampfklettern können manchmal wenige Millimeter oder Zehntelsekunden über das Weiterkommen entscheiden. Diese Erfahrung machten in dieser Saison auch Lotta Mathilda Mehrländer und Amelie Huss. Beim ersten DJC in München landeten sie mit Platz 11 und 12 nur hauchdünn hinter dem Finalfeld. Und auch beim Speed-DJC in Augsburg rutschten sie mit den Rängen 4 und 5 knapp am Podium vorbei. Für beide war es jedoch das beste Ergebnis ihrer noch jungen Karriere und damit trotzdem ein Grund zum Feiern. Auch Oskar Saasen hatte das Glück nicht immer auf seiner Seite und verpasste mit einem 17. und 18. Platz im Speed zweimal das Achtelfinale um wenige Zehntelsekunden. Dennoch konnte auch er mit neuen persönlichen Bestzeiten und somit einem Anlass zur Freude aus den Wettkämpfen gehen.
Rückschläge & Comebacks
Auch für Mira Binder und Alessandro de Paolis begann die nationale Saison etwas anders als erhofft. Beim DJC in München belegten sie die Plätze 24 und 21 – Resultate, die angesichts ihrer starken Vorjahresleistungen nicht den Erwartungen entsprachen. Doch beide ließen sich davon nicht entmutigen – und zeigten beim nächsten DJC was in ihnen steckt. Mira kletterte sich mit einem starken 7. Platz zurück ins Finale. Alessandro verpasste mit Platz 11 das Finale knapp, erreichte jedoch angesichts des außergewöhnlich stark besetzten Teilnehmerfeldes ein bemerkenswertes Ergebnis – unter den ersten zehn fanden sich ganze acht Sieger früherer DJCs.
Ein erstes Finale
Anders begann das Jahr für Mats Justus. Mit gerade einmal zwölf Jahren schaffte er es beim DJC in München zum ersten Mal in das Finale eines nationalen Wettkampfs und erreichte damit einen wichtigen Meilenstein seiner noch jungen Wettkampflaufbahn. Ähnlich ging es Anton Dederer einige Monate später beim DJC in Augsburg. Dort gelang ihm erstmals der Einzug in ein Lead-Finale auf nationalem Niveau. Mit einem 6. Platz stellte er anschließend sein bisher bestes DJC-Ergebnis auf.
Raus in die Welt
Einen bedeutenden Schritt in ihrer Wettkampfkarriere machte in diesem Jahr auch Janne Wiethölter. Zum ersten Mal durfte sie Deutschland bei internationalen Wettbewerben vertreten – und das gleich in zwei Disziplinen. Beim Jugendeuropacup (EYC) im Bouldern in Graz (Österreich) gelang ihr mit einem 23. Platz ein starkes Debüt. Anschließend folgten zwei Einsätze in der Disziplin Lead in Bologna (Italien) und Imst (Österreich). In Imst gelang ihr mit Platz 18 ihr erstes Top-20-Ergebnis auf internationaler Bühne. Eine Entwicklung, die zeigt, wie gut Janne den Übergang zum europäischen Wettkampfniveau gemeistert hat.
Simply the best
In der Altersklasse U17 männlich führt in Deutschland derzeit nichts an einem Namen vorbei: Mattis Eisenkolb. Bereits im vergangenen Jahr konnte er beide deutschen Jugendcups in der Kategorie Bouldern für sich entscheiden und sich damit souverän den deutschen Meistertitel sichern. Auch in dieser Saison setzte er diese beeindruckende Serie fort: Mit zwei weiteren ersten Plätzen blieb er nicht nur erneut ungeschlagen, sondern konnte auch unangefochten seinen deutschen Meistertitel verteidigen.
Erwachsen werden
Der Weg von der Jugend in den Erwachsenenbereich ist im Wettkampfklettern groß – das wissen alle, die sich mit diesem Sport beschäftigen. Einen ersten Schritt auf diesem Weg machten Marlon Rodzis und Kara Hoffmann bei der diesjährigen Deutschen Meisterschaft (DM) im Bouldern. Beide gehörten zur jüngsten startberechtigten Altersklasse und standen erstmals gemeinsam mit deutlich erfahreneren Athletinnen und Athleten an der Wand. Für Kara war es erst der zweite nationale Wettkampf überhaupt. Umso bemerkenswerter war ihr 25. Platz, mit dem sie sich im starken Damenfeld in die Nähe des Halbfinals klettern konnte. Marlon musste sich bei den Herren mit Platz 42 zufriedengeben, war aber kurz darauf bei den europäischen Jugendcups in Soure (Portugal) und Molde (Norwegen) für das deutsche Team im Einsatz.
Verletzungspech & Wettkampfglück
Bei der Deutschen Meisterschaft im Leadklettern in Neu-Ulm gab es in diesem Jahr einen besonders erfreulichen Moment. Nach vier Teilnahmen in den vergangenen Jahren gelang Tara Kröger erstmals der Einzug in das Halbfinale. Der Erfolg wiegt umso mehr, weil Tara in den letzten Jahren immer wieder durch Verletzungen zurückgeworfen wurde und dennoch konsequent ihren Weg weitergegangen ist. Dass sie sich nun mit diesem Ergebnis belohnen konnte, ist ein schöner Beweis dafür, wie viel Ausdauer und Geduld im Leistungssport oft gefragt sind.
Eine erfolgreiche Rückkehr
Bei der Deutschen Meisterschaft im Bouldern gab es in diesem Jahr ein besonderes Wiedersehen: Helene Wolf, eine der erfahrensten und erfolgreichsten Athletinnen des norddeutschen Kaders, kehrte nach einer Wettkampfpause im letzten Jahr zurück auf die nationale Bühne. Die deutsche Meisterin von 2022 knüpfte dabei nahtlos an frühere Leistungen an und belegte in der Qualifikation einen starken 4. Platz. Im Halbfinale verpasste sie als Neunte knapp den Finaleinzug. Auch wenn es nicht ganz für die letzte Runde reichte, zeigte der Wettkampf eindrucksvoll, dass Helene selbst fast 15 Jahre nach ihrem nationalen Debüt weiterhin zur deutschen Spitze zählt.
Eine kleine Sensation
Für eine echte Überraschung sorgte das deutsche Team beim Jugendeuropacup in Sukoró (Ungarn). Die Mannschaft war nur

in kleiner Besetzung mit vier Athleten angereist, darunter Jonas Körner und Oscar Pongratz aus Norddeutschland. Dass Jonas und Oscar gemeinsam mit ihrem Teamkollegen Timo Ossig aus Bayern das Finale erreichten, war bereits ein bemerkenswertes Ergebnis. Doch der eigentliche Höhepunkt folgte erst im Finale: Die drei sicherten sich sämtliche Podiumsplätze in der Kategorie U19 männlich und sorgten damit für das erste vollständig deutsche Podium in einem internationalen Boulderwettkampf überhaupt.
Eine große Bühne für die Kleinen
Eine weitere Neuerung im nationalen Wettkampfkalender waren die erstmals ausgerichteten German Kids Masters. Dieser neue Wettbewerb bot den Altersklassen der U13 und U11, zum ersten Mal eine bundesweite Bühne. Vom 7. bis zum 9. August trafen sich dafür Nachwuchsathletinnen und -athleten aus ganz Deutschland in Kaiserslautern. Aus Norddeutschland waren unter anderem Merete Middeldorf, Emil Bartels, Justus Borges und Paul Osmer am Start. Alle vier werden im kommenden Jahr Teil des Landeskaders sein und den Norden dann auch bei den Deutschen Jugendcups vertreten. Für sie war Kaiserslautern damit nicht nur ein besonderer Wettkampf, sondern auch der Auftakt in eine neue Etappe ihrer sportlichen Entwicklung.
Neue deutsche Meister
Auch ein weiteres Format kam dieses Jahr neu dazu: Zum ersten Mal wurde eine Deutsche Meisterschaft im Paraclimbing ausgetragen. Nachdem das deutsche Paraclimbing-Team in den vergangenen Jahren international immer wieder mit starken Ergebnissen überzeugt hatte, bot der Wettkampf am 5. Juli in Augsburg nun erstmals auch auf nationaler Ebene eine eigene Bühne für die Para-Athletinnen und -athleten. Für Norddeutschland gingen Aldrik Bethke und Iman Edrisi an den Start. Aldrik sicherte sich nach einer sehr starken Qualifikation am Ende hinter Joe Schmit aus Luxemburg den zweiten Platz – und damit auch den deutschen Meistertitel. Iman toppte in seiner Kategorie alle Routen, sowohl in der Qualifikation als auch im Finale. Damit ließ er die gesamte Konkurrenz hinter sich und gewann die Goldmedaille.
Die Besten der Welt
Es ist das größte Ereignis, das es im Klettersport für den Nachwuchs gibt: die Jugendweltmeisterschaft. Einmal im

Jahr kommen die jungen Klettertalente aus allen Kontinenten zusammen, um in den drei Disziplinen Bouldern, Lead und Speed ihre Weltmeister zu ermitteln. Zum ersten Mal mit dabei in diesem Jahr waren Marie Koepler im Bouldern und Janne Eisenkolb im Lead. Für Marie war es der krönende Abschluss einer herausragenden Saison mit drei Finalteilnahmen und einer Medaille auf den europäischen Jugendwettkämpfen. Für Janne war es erst der Start der internationalen Saison – es sollten unter anderem noch ein Finale bei der Jugendeuropameisterschaft sowie eine Nominierung für den Europacup der Erwachsenen folgen.
Eins, zwei, drei
Viele der Nationalkaderathletinnen und -athleten haben sich auf internationaler Bühne in den letzten Jahren an einem Ziel die Zähne ausgebissen: Das Erreichen eines Weltcup-Halbfinals. So auch Lasse von Freier. Acht Weltcupstarts standen bereits in seiner Bilanz, doch der entscheidende Schritt blieb ihm bislang verwehrt. In dieser Saison sollte sich das ändern. Trotz einer schweren Fingerverletzung zu Jahresbeginn gelang Lasse beim Weltcup in Curitiba (Brasilien) erstmals der Sprung ins Halbfinale. Und er zeigte sofort, dass dieser Erfolg kein Zufall war. Nur wenige Wochen später wiederholte er das Ergebnis gleich zweimal: zunächst beim Weltcup in Prag (Tschechien) und danach gleich noch einmal in Bern (Schweiz). Damit krönte er nicht nur die erfolgreichste Weltcupsaison seiner bisherigen Laufbahn, sondern erfüllte sich auch einen weiteren Traum: die erstmalige Qualifikation für die Weltmeisterschaft.
Das Beste kommt zum Schluss
Vom 21. bis zum 28. September stand das Highlight des Wettkampfkletterns im Kalender: die Weltmeisterschaft in Seoul (Südkorea). 298 Athletinnen und Athleten aus 45 Ländern gingen an den Start, um in den drei Disziplinen um den Titel des Weltmeisters zu kämpfen. Mit dabei aus Norddeutschland war unter anderem Thorben Perry Bloem. Erst Anfang des Jahres schaffte er zum ersten Mal ins Halbfinale eines Weltcups. Doch damit sollte es diesmal nicht genug sein. Nachdem er es als einziger Deutscher ins Halbfinale schaffte, konnte er sich mit einer sensationellen Leistung dort auch für das Finale qualifizieren und sich schlussendlich den 7. Platz sichern. Dieses Ergebnis markiert nicht nur den größten Erfolg seiner bisherigen Laufbahn, sondern zugleich das beste Resultat, das ein norddeutscher Athlet jemals bei einer Weltmeisterschaft erzielt hat.
Bildquellen Fotos:
Bild 1 (Käthe): DAV/Xaver Quintus
Bild 2 (Tarek): DAV/Vic Harster
Bild 3 (Felix): Eltern/Athleten
Bild 4 (Lotta & Amelie): DAV/Xaver Quintus
Bild 5 (Mira): DAV/Vic Harster
Bild 6 (Mats): DAV/Xaver Quintus
Bild 7 (Janne): IFSC/Achim Reinbacher
Bild 8 (Mattis): DAV/Vic Harster
Bild 9 (Kara): DAV/Xaver Quintus
Bild 10 (Tara): DAV/Pavlo Vekla
Bild 11 (Helene): DAV/Marco Kost
Bild 12 (Jonas & Oscar): IFSC
Bild 13 (Merete): Eltern/Athleten
Bild 14 (Aldrik): DAV/Pavlo Vekla
Bild 15 (Marie): IFSC/Timo Junttila
Bild 16 (Lasse): IFSC/Vladek Zumr
Bild 17 (Thorben): IFSC